Grundlagen & Formblätter
Was ist eine Stoffpreisgleitklausel?
Eine Stoffpreisgleitklausel ist eine vertragliche Vereinbarung bei öffentlichen Bauaufträgen, die dem Auftragnehmer die Weitergabe von Preisänderungen bestimmter Stoffe während der Bauzeit ermöglicht. Sie wird in den Vergabeunterlagen des öffentlichen Auftraggebers ausdrücklich vereinbart und bezieht sich ausschließlich auf die im „Verzeichnis für Stoffpreisgleitklausel" benannten Stoffe und Positionen.
Welche Formblätter unterstützt der Rechner?
Sechs offizielle Formblätter / Vordrucke aus dem Umfeld von VHB-Bund und HVA B-StB:
- Formblatt 225 (VHB-Bund, Hochbau, Standard mit BW1, BW2, BW3)
- Formblatt 225a (VHB-Bund, ohne Basiswert 1 — Bieterpreis ist BW2)
- Formblatt 228 (VHB-Bund, Nichteisenmetalle Cu, Pb, Al)
- Vordruck 141 (HVA B-StB, Straßen- und Brückenbau, identisch zu FB 225)
- Vordruck 145 (HVA B-StB, Verzeichnis für mehrere Positionen)
- Vordruck 145a (HVA B-StB, ohne BW1 — identisch zu FB 225a)
Details: Formblätter & Vordrucke.
Was ist der Unterschied zwischen VHB-Bund und HVA B-StB?
VHB-Bund ist das Vergabe- und Vertragshandbuch für die Baumaßnahmen des Bundes und regelt insbesondere den Hochbau. HVA B-StB sind die Handbücher für die Vergabe und Ausführung von Bauleistungen im Straßen- und Brückenbau. Beide Regelwerke enthalten eigene Formblätter bzw. Vordrucke für die Stoffpreisgleitklausel — die Berechnungslogik ist in beiden Fällen strukturell identisch, die Formblatt-Nomenklatur unterschiedlich.
Was bedeuten die Basiswerte BW1, BW2 und BW3?
Die Basiswerte sind die für die Berechnung maßgeblichen Indexstände an drei Stichtagen:
- BW1 — Indexstand zum Zeitpunkt des Versands der Vergabeunterlagen (Bieterangabe im Formblatt)
- BW2 — Indexstand zum Zeitpunkt der Angebotseröffnung (Grundlage der Angebotspreiskalkulation)
- BW3 — Indexstand zum Abrechnungszeitpunkt der Leistung (Grundlage der Abrechnung)
Bei Formblatt 225a und Vordruck 145a entfällt BW1, der vom Bieter angegebene Preis gilt direkt als BW2. Für die Berechnung ist jeweils der Monatswert maßgeblich — Destatis veröffentlicht die Indizes monatlich.
Was ist Formblatt 228 für Nichteisenmetalle?
Formblatt 228 gilt für Bauleistungen mit relevanten Anteilen an Nichteisenmetallen — Kupfer (Cu), Blei (Pb) und Aluminium (Al). Die Preisgleitung erfolgt hier nicht über die Destatis-Erzeugerpreisindizes, sondern über die Notierungen an der Metallbörse. Der Rechner unterstützt die Eingabe der metallspezifischen Basiswerte und der Anteile (kg je Position) separat.
Berechnung & Anwendung
Wann greift die Gleitklausel überhaupt?
Erst wenn sich die summierten Mehr- oder Minderaufwendungen über die Bagatellgrenze hinaus bewegen. Der Standard nach VHB ist 2,0 % der Abrechnungssumme der gleitklauselrelevanten Positionen (netto, ohne die aufgrund der Gleitklausel zu erstattenden Beträge). Unterhalb der Bagatelle trägt der Auftragnehmer die Preisänderung vollständig selbst.
Wie funktioniert der Selbstbehalt?
Wird die Bagatellgrenze überschritten, trägt der Auftragnehmer vom Mehr- oder Minderaufwand zusätzlich einen Selbstbehalt. Der VHB-Standard beträgt 10,0 %; die verbleibenden 90 % werden dem Auftragnehmer erstattet bzw. in Abzug gebracht. Im B2B-Umfeld können abweichende Sätze vertraglich vereinbart werden — der Rechner erlaubt unter „Vertragsbedingungen" eine individuelle Einstellung.
Welche Destatis-Indizes werden verwendet?
Der Rechner verwendet die Erzeugerpreisindizes gewerblicher Produkte des Statistischen Bundesamts (Destatis) auf der Indexbasis 2021 = 100. Im Projekt-Datenstand sind die Indizes bis 03/2026 hinterlegt. Für die Berechnung ist ausschließlich der Monatswert relevant, Destatis veröffentlicht die Reihen monatlich.
Was ist der Unterschied zwischen Angebotskalkulation und Nachtragsabrechnung?
Angebotskalkulation (ex-ante): Simulation vor der Angebotsabgabe. Hilft bei der Einschätzung der Bandbreite möglicher Mehr- und Minderaufwendungen und fließt in die Preisbildung ein. Der angenommene Abrechnungsmonat ist ein Szenario, kein Ist-Wert. Der Rechner ergänzt automatisch eine Sensitivitätsanalyse mit Index-Abweichungen von −20 % bis +20 %.
Nachtragsabrechnung (ex-post): Prüffähiger Berechnungsnachweis als Anlage zur Abschlags- oder Schlussrechnung gegenüber dem öffentlichen Auftraggeber, nachdem die Leistung erbracht und die Destatis-Ist-Werte vorliegen.
Was bedeutet die Sensitivitätsanalyse?
Die Sensitivitätsanalyse (nur im Modus Angebots-Kalkulation) zeigt, wie sich die Mehr- bzw. Minderaufwendungen verändern, wenn der tatsächliche Abrechnungsindex um −20 % bis +20 % vom angenommenen Wert abweicht. Das hilft bei der realistischen Einschätzung des Preisrisikos und bei der Dimensionierung eines risikogerechten Einheitspreises.
Wann trägt der Bieter das volle Preisrisiko?
Vor der Angebotsabgabe und innerhalb der Bagatellgrenze bzw. bis zum Selbstbehalt trägt der Auftragnehmer das Preisrisiko selbst. Die Gleitklausel federt nur den Teil ab, der über Bagatelle und Selbstbehalt hinausgeht. Der verbleibende Risikoanteil fließt in den Einheitspreis. Eine belastbare Angebotskalkulation setzt deshalb eine realistische Index-Erwartung voraus.
Welche Stichtage sind für die Berechnung maßgeblich?
Die Stichtage sind in den Datumsfeldern tagesgenau erfassbar (für die Dokumentation). Für die eigentliche Index-Ermittlung zählt jedoch ausschließlich der Monat:
- Monat des Versands → BW1 (Bieterangabe)
- Monat der Eröffnung → BW2 (Preiskalkulation)
- Monat der Abrechnung → BW3 (Abrechnung)
Bei mehrmonatiger Verarbeitung einer Leistung empfiehlt sich eine eigene Position je Abrechnungsmonat, um die Indexfortschreibung korrekt abzubilden.
Rechner, Import & Export
Wie lade ich eine Excel-Datei in den Rechner?
Ziehen Sie die Datei per Drag & Drop in das Feld „Excel-Datei hier ablegen" oder wählen Sie sie über „Datei auswählen". Unterstützt werden die Formate .xlsx und .xls. Die Datei wird ausschließlich lokal im Browser ausgewertet — es findet keine Übertragung an einen Server statt.
Welche Excel-Strukturen erkennt der Rechner automatisch?
Die Heuristik erkennt gängige Kalkulationsaufbauten mit Spaltenüberschriften wie „OZ" / „Position", „Menge", „Einheitspreis" (EP), „Gesamtbetrag" (GP) sowie Index-Spalten zu Versand / Eröffnung / Abrechnung bzw. BW1 / BW2 / BW3. Das Matching erfolgt über Wort-Score-Erkennung (Best-Score-Wins); die bestpassende Spalte je Feld wird automatisch vorbelegt.
Was mache ich, wenn Spalten nicht automatisch erkannt werden?
Sind einzelne Spalten nicht eindeutig zuordenbar, öffnet der Rechner den Mapping-Dialog. Darin wählen Sie das relevante Tabellenblatt und ordnen die Excel-Spalten den vom Rechner erwarteten Feldern zu. Nach dem Klick auf „Übernehmen" erfolgt die Berechnung mit Ihren Zuordnungen.
Wie gehe ich mit mehreren Positionen um?
Über die Schaltfläche „Position hinzufügen" legen Sie beliebig viele OZ-Positionen an. Bei Formblatt 228 (Nichteisenmetalle) steht eine separate Eingabemaske für Cu/Pb/Al-Anteile bereit. Bei mehrmonatiger Verarbeitung empfiehlt sich eine eigene Position je Abrechnungsmonat, um die Indexentwicklung sauber abzubilden.
Wie erzeuge ich den prüffähigen PDF-Bericht?
Nach abgeschlossener Berechnung erzeugt die Schaltfläche „PDF exportieren" einen formatierten Berechnungsnachweis mit Kopfzeile, Projektangaben, verwendeten Formeln und sämtlichen Zwischenschritten. Der Bericht eignet sich als Anlage zur Abschlags- oder Schlussrechnung gegenüber dem öffentlichen Auftraggeber.
Wie funktioniert der Excel-Export?
„Excel exportieren" generiert eine .xlsx-Datei mit sämtlichen Eingabewerten, Zwischenschritten der Berechnung und dem Endergebnis — geeignet zur internen Archivierung oder zur Weiterverarbeitung im eigenen Kalkulationssystem.
Kann ich Projektdaten speichern und später erneut laden?
Ja. Über „Speichern" im Block Projektangaben wird der aktuelle Stand inklusive aller Positionen als .json-Datei lokal abgelegt. Die Datei kann jederzeit über „Laden" wieder in den Rechner importiert werden. Die Speicherung erfolgt ausschließlich lokal auf Ihrem Gerät — es werden keine Daten an einen Server übertragen.
Kann ich den Rechner offline auf meinem Rechner installieren?
Ja. Der Rechner ist eine Progressive Web App (PWA) und laesst sich mit einem Klick auf Windows, macOS, Linux, iOS und Android installieren. Danach laeuft er im eigenen Fenster mit App-Icon, ohne Browser-Leiste, auch offline.
Wichtig vorab: Der Rechner verarbeitet hochgeladene Dateien bereits vollstaendig lokal im Browser. Keine Datei wird je an einen Server uebertragen. Die Installation bringt zusaetzlich ein App-Fenster und Offline-Nutzung, aendert aber nichts am Datenfluss.
Anleitung pro Plattform:
- Chrome / Edge (Windows, macOS, Linux): Adresszeile, rechts neben dem Stern das Icon „App installieren" anklicken und bestaetigen. Alternativ: Menue, „Apps", „Diese Seite als App installieren".
- Chrome Android: Menue, „App installieren" oder „Zum Startbildschirm hinzufuegen".
- Safari iOS / iPadOS: Teilen-Symbol antippen, „Zum Home-Bildschirm" waehlen und bestaetigen. Apple bietet keinen App-Store-Eintrag, sondern nur den Home-Bildschirm-Weg.
- Firefox: Aktuell keine native PWA-Installation. Alternativ: Alle Dateien als
ZIP beim Administrator anfragen, lokal entpacken,
index.htmlim Browser oeffnen.
Updates: Die installierte App aktualisiert sich automatisch ueber den Service-Worker, sobald sie online ist. Bei einer neuen Version erscheint ein Banner „Neue Version verfuegbar".
Was passiert, wenn ich den Browser schließe?
Alle Eingaben gehen verloren. Der Rechner speichert keine Daten auf einem Server und verwendet bewusst keine automatische Speicherung im Browser. Wenn Sie die Seite verlassen, neu laden oder den Browser schließen, sind sämtliche Eingaben unwiderruflich weg.
Empfehlung: Sichern Sie Ihren Arbeitsstand regelmäßig über „Projekt speichern" im Bereich Projektangaben. Der Rechner erzeugt eine .json-Datei auf Ihrem Gerät, die Sie jederzeit über „Projekt laden" wieder importieren können. So geht keine Arbeit verloren — auch nicht bei einem Browser-Absturz oder versehentlichem Schließen.
Wo finde ich rechtliche Hinweise und Datenschutzinformationen?
Im Footer unter Rechtliches bzw. direkt über die Seite Haftungsausschluss & Datenschutz. Die Anwendung läuft vollständig lokal im Browser — projektbezogene Daten werden nicht an einen Server übertragen. Ausnahme: der optionale Abruf aktueller Destatis-Indizes (Verbindung zu destatis.de), sofern aktiv genutzt.
Ihre Frage ist nicht dabei?
Schreiben Sie direkt an den fachlich zuständigen Ansprechpartner der Hauptabteilung Wirtschaft.